{"id":7185,"date":"2017-01-14T16:24:10","date_gmt":"2017-01-14T14:24:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/?page_id=7185"},"modified":"2026-01-01T20:26:16","modified_gmt":"2026-01-01T18:26:16","slug":"text","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/text\/","title":{"rendered":"TEXT"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\"><a id=\"top\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/about\/\">&lt; ABOUT<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-align: left; color: #333333; text-transform: none; text-indent: 0px; letter-spacing: normal; font-family: helvetica, arial, sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; text-decoration: none; word-spacing: 0px; white-space: normal; cursor: text; orphans: 2; float: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; background-color: transparent; display: inline !important;\">SUSANNE WEDEWER-PAMPUS m.a.<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Text on the exhibition project <span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-align: left; color: #333333; text-transform: none; text-indent: 0px; letter-spacing: normal; font-family: helvetica, arial, sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; text-decoration: none; word-spacing: 0px; white-space: normal; cursor: text; orphans: 2; float: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; background-color: transparent; display: inline !important;\">\u00a0<span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/tablescapes-2023-kve-leverkusen\/\">TABLESCAPES 2023 <span style=\"font-size: 8pt;\">LINK<\/span><\/a><\/span><\/span><\/strong><\/span><span style=\"font-size: 10pt;\">\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/i><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif; font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">\u00a0<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Vexiere &#8211; und dieser Einstieg in die Arbeiten von Brigitte Dunkel mag zun\u00e4chst irritieren &#8211; sind Geduldspiele, die funktionieren, die aufgehen nur dann, wenn wir unerwartete L\u00f6sungen zulassen, neue \u2013 \u00e4u\u00dfere \u2013 Erscheinungsformen zu denken bereit sind. Dass Brigitte Dunkel Vexiere sammelt und sie auch als Abbildungen f\u00fcr die Brosch\u00fcre zu ihrer Ausstellung hier im Kunstverein Leverkusen gew\u00e4hlt hat, ist kein Zufall. Wir finden diese in der gesamten Ausstellung als digital prints, in Zeichnungen, Malereien, als displays. Sie bilden, im <\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">\u00fcbertragenen Sinn, den Schl\u00fcssel zum k\u00fcnstlerischen Denk- und Formenkanon von Brigitte Dunkel, in dessen Zentrum seit langem die Hinterfragung normativer Darstellungsweisen und Begrifflichkeiten vor allem des Weiblichen stehen. Eine Thematik, die sie seit 2012 im Zusammenhang ihres Langzeitprojektes POWDER ROOM mit einer Reihe installativ und medien\u00fcbergreifend angelegter Einzelausstellungen verfolgt, auch mit TABLESCAPES.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Beginnen wir bei dem Titel TABLESCAPES, \u201eTischlandschaften\u201c. Er bezeichnet (im engl. Original) die \u201edekorative\u201c Anordnung einzelner Objekte auf einem Tisch, auf dem sie vor uns liegend zur Betrachtung ausgebreitet sind \u2013 und im \u00fcbertragenden Sinn auch im Raum, wo wir uns k\u00f6rperlich zwischen ihnen, ihrer sorgf\u00e4ltig durchdachten Anordnung folgend, bewegen, sie durchschreiten, durchmessen, Teil werden. So klingt in diesem Titel bereits jener Wechsel von Perspektiven mit, von Blickwinkeln, der f\u00fcr das Werk von <\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Dunkel so entscheidend, so pr\u00e4gend ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\"><strong>\u201eWir haben es zu tun mit Oberfl\u00e4chen, Farben, Materialien, mit Modifikationen, Verlockungen, Irrf\u00fchrungen und einem Aufbrechen scheinbar sicherer Abgrenzungen von Malerei, Fotografie, Skulptur. Bedeutungsebenen werden vermischt und verwischt, scheinbar sichere Pr\u00e4sentationsgewohnheiten kippen im buchst\u00e4blichen Sinn in die Schieflage des blo\u00df angelehnten, abgestellten und ungesicherten. Improvisation und Perfektion verbinden sich zu einer Allianz des Augenblicks, versuchen die Formulierung einer unsicheren, ungewissen, in der Tat zeitgen\u00f6ssischen Form von Sch\u00f6nheit, die sich als angreifbar, fl\u00fcchtig und anf\u00e4llig f\u00fcr Zerst\u00f6rung erweist.\u201c<\/strong> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">So beschreibt Brigitte Dunkel ihr Projekt POWDER ROOM, im Englischen das Synonym f\u00fcr Waschraum, Damentoilette, letztendlich f\u00fcr einen Raum des sich Schminkens, sich Zurechtmachens, f\u00fcr Verwandlung und Spiel. Ein idealer Oberbegriff f\u00fcr ihre konstante Befragung von Geschlechteridentit\u00e4t, von Rollenzuschreibungen und gesellschaftlichen Normen, von dem Konzept der Identit\u00e4t und \u00c4sthetik des Weiblichen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Ihre Inszenierungen dazu betreten wir wie ein Film-Set, f\u00fcr das in Leverkusen ein auf die R\u00e4umlichkeiten ausgerichteter Lightroom und ein Darkroom aufgebaut worden sind &#8211; eine Gesamt-Installation aus Zeichnungen, Fotografie, Malerei, von Videoarbeiten, digitalen prints und displays, von textilen H\u00fcllen und \u201eDrag Dolls\u201c. Von Bildmaterial, sogenanntem \u201efound footage\u201c aus Kunstgeschichte und Medien, dass sie, wie sie sagt, \u201edurch die digitale Mangel dreht.\u201c Wir begegnen Abwandlungen unter anderem der ber\u00fchmten \u201eRetrospective Bust of a Woman\u201c von Salvadore Dali als auch dem Gesicht von Elizabeth Short, die als \u201eBlack Dahlia\u201c einen der ber\u00fchmtesten Mordf\u00e4lle Nordamerikas der 1940er Jahre betitelt. Brigitte Dunkel zitiert diese Bildbeispiele und -bez\u00fcge als Manifestationen letztlich eines tradierten, sich hartn\u00e4ckig behauptenden Bildes der Frau prim\u00e4r als Objekt, denn als Subjekt, als Femme fatale, als G\u00f6ttin, D\u00e4monin und immer als Projektionsfl\u00e4che, nie als ein reales Gegen\u00fcber. Auftreten, Kleidung, \u00c4u\u00dferes galten und gelten dabei als entscheidendes Kriterium, werden als weit mehr denn als spielerische H\u00fclle interpretiert und gedeutet. F\u00fcr die K\u00fcnstlerin indes ist dieses \u00c4u\u00dfere wandelbar, unterstreicht, betont, verdeckt, \u00fcberlagert lediglich den, wie sie sagt, inneren Kern, den jeder f\u00fcr sich jenseits gesellschaftlicher Normen formen kann, und vor allem k\u00f6nnen sollte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Ihre vielschichtigen Arrangements sieht sie &#8211; mit den dazu geh\u00f6renden Begleitveranstaltungen &#8211; als Angebote, unseren oft normativen Blick auf das Weibliche sowie auf die Geschlechteridentit\u00e4ten zu hinterfragen, zu \u00fcberpr\u00fcfen. Als Aufforderungen, hinter den Vorhang zu schauen vielleicht auch unserer geheimen Sehns\u00fcchte, unserer Abgr\u00fcnde und Vor-Urteile. Dabei schafft sie, so Harald Uhr, \u201e&#8230; in ihren Installationen r\u00e4tselhafte Beziehungen zwischen Objekten und Formen, die in einem Schwebezustand zwischen der Repr\u00e4sentation einer subjektiven und facettenreichen Realit\u00e4t und einer k\u00fcnstlerischen poetischen Abstraktion verharren. So werden Spannungsmomente erzeugt, die zun\u00e4chst verst\u00f6ren und beunruhigen und mehr Fragen aufwerfen als Antworten liefern.\u201c<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Und doch f\u00fcgen sich schlie\u00dflich wie in einem Vexierspiel die einzelnen Teile auch in TABLESCAPES zu einer tempor\u00e4ren Ausgangs-Form, die weitere Sicht- und Denkweisen in sich birgt und die wir mit ein wenig spielerischer Geduld entdecken und zutage f\u00f6rdern k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Susanne Wedewer-Pampus, May 2023<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\"><strong>ANKE VON HEYL m.a.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Exhibition introduction on the occasion of the opening\u00a0 <\/span><\/span><\/i><strong><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;\"><a href=\"https:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/b-d-memorial-for-e-s-2020\/\"><span style=\"font-size: 10pt;\">B.D. *** MEMORIAL FOR *** E.S.<\/span> <span style=\"font-size: 8pt;\">LINK<\/span><\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">&#8230;&#8230;Als ich vor ein paar Wochen begonnen habe, mich mit der geplanten Show zu besch\u00e4ftigen, habe ich nicht geahnt, in was ich mich hineinbegeben w\u00fcrde. Und heute, da all die vielen Ideen, Gedanken und Aspekte zu einem Finale vereint worden sind, f\u00fchle ich mich fast als Teil dieser k\u00fcnstlerischen Inszenierung. Denn eines kann ich Ihnen schon jetzt versprechen \u2013 je mehr Sie sich mit der Ausstellung besch\u00e4ftigen werden, desto tiefer werden Sie in einen Sog aus Faszination, Schrecken und Anregung hineingezogen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Brigitte Dunkel hat mit \u201eB.D. *** MEMORIAL FOR *** E.S.\u201c eine weitere Facette ihres Langzeitprojektes \u201ePowder Room\u201c geschaffen, das sich wie die bisherigen Arbeiten in das Konzept von Identit\u00e4t und \u00c4sthetik des Weiblichen einf\u00fcgt, welches sich in zahlreichen Objekten und Installationen manifestiert. Heute stehen wir in einer raumgreifenden Installation, die es aus vielen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten gilt. Denn die Komplexit\u00e4t, die hinter der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung steckt, ist unglaublich.\u00a0 &#8230;..<\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">DIE INSZENIERUNG<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Mit <\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">den besonderen Raumvorgaben ist die artothek alles andere als ein White Cube. Die geschwungene Balustrade und die zierliche Treppe ins Obergeschoss sind ganz der zur\u00fcckhaltenden Eleganz der F\u00fcnfziger Jahre geschuldet. Und Brigitte Dunkel greift diese Formensprache auf, nutzt sie f\u00fcr die Inszenierung einer posthum entwickelten Identit\u00e4t der Elisabeth Short. Was wir hier in der begehbaren Installation erleben, ist aber mehr als nur eine Hommage an das junge M\u00e4dchen aus den vierziger Jahren. E.S. steht zum Beispiel auch stellvertretend f\u00fcr die Sehnsucht junger Menschen, gesehen zu werden und sich daf\u00fcr eine bestimmte Erscheinung zuzulegen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Ganz entsprechend der Inspiration durch die \u00c4sthetik des Film Noir folgen wir der K\u00fcnstlerin dann in eine Art Film-Set, in welchem wir uns Fragen nach Geschlechteridentit\u00e4t, Rollenzuschreibung und gesellschaftlichen Normen stellen k\u00f6nnen. Der Spitzname \u201eBlack Dahlia\u201c, der der jungen Betty zugesprochen wurde, verweist beispielsweise auch auf eine bestimmte Inszenierung, mit der E.S. in Hollywood Aufmerksamkeit erzeugen wollte. Ihre dunklen Haare wurden zu ihrem Markenzeichen und sie unterstrich ihre Ausstrahlung zus\u00e4tzlich, indem sie sich \u00fcberwiegend in Schwarz kleidete.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">In einem Zeitungsbericht, der nach Zeugen suchte, ist ihre Garderobe sehr genau beschrieben \u2013 bis hin zu den Handschuhen und den Nylonstr\u00fcmpfen. Mode ist f\u00fcr Brigitte Dunkel ein ganz besonderes Vehikel ihrer k\u00fcnstlerischen Arbeit. Denn zum einen sind es ganz klar die Rollenklischees, die sich darin manifestieren \u2013 oder gegen die man sich zur Wehr setzen m\u00f6chte. Aber auch die Besch\u00e4ftigung mit K\u00f6rperlichkeit generell und speziellen K\u00f6rperformen ist ein interessanter Ansatz, den man beispielsweise in Teilen der \u201ePowder Room\u201c-Serie erkennen kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Wir erleben die Installation \u201eB.D. *** MEMORIAL FOR *** E.S.\u201c in einer bestimmten Erz\u00e4hlweise, die sich von oben nach unten entwickelt. W\u00e4hrend die obere Etage sich vor allem den narrativen Aspekten einer weiblichen Biographie im Hollywood der vierziger Jahre widmet, wird der Kontext im unteren Raum auf eine ganz gezielte Auseinandersetzung mit dem Fall des Black Dahlia Mordes gelenkt. An der Stelle treffen unter anderem auf eine ganz ungew\u00f6hnliche Weise der tats\u00e4chliche Fall und die Kunstgeschichte zusammen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Immer wieder taucht in der Rezeptionsgeschichte des \u201eBlack Dahlia Murders\u201c die Verbindung zu Marcel Duchamp und anderen Surrealisten auf. Dergestalt alarmiert begibt man sich schnell auf eine Indiziensuche, die tats\u00e4chlich einige unglaubliche Dinge zutage f\u00f6rdert. Auch Brigitte Dunkel hat sich mit den Geschichten rund um die \u201ek\u00f6stliche Leiche\u201c befasst und einige surrealistische Werke, die hier eine Rolle spielen k\u00f6nnten, erkennen wir in der Ausstellung wieder. Wie nah die Surrealisten am Black Dahlia Murder sein k\u00f6nnten, mag vielleicht eine Zeile aus den von ihnen sehr verehrten Ges\u00e4ngen des Maldoror von Isidore Ducasse (Comte de Lautr\u00e9amont) zeigen:<\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">\u201eIch habe lachen wollen, wie die anderen; aber dies war unm\u00f6glich. Ich habe ein Federmesser mit scharfer Klinge genommen und mir das Fleisch dort aufgeschlitzt, wo sich die Lippen vereinigen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Die Ausstellung will aber nicht die hundertste Beweisf\u00fchrung sein, dass der M\u00f6rder eine Art perverser Hommage an die von ihm verehrten Surrealisten vollziehen wollte. <\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Die K\u00fcnstlerin lenkt mit ihrem \u201eMemorial\u201c vielmehr den Blick weg von der Opferperspektive. Sie versteht die gesamte Installation auch als Beitrag zur Befreiung des Weiblichen, als Kritik an einem \u2013 wie auch immer gearteten \u2013 normativen Blick auf Frauen. Der Mord und die Verbindung zu den bildk\u00fcnstlerischen Arbeiten zahlreicher (!) Surrealisten macht deutlich, dass es eigentlich genau darum geht: Die Frau darf nicht zum Objekt gemacht werden und es geh\u00f6rt sich, ihr endlich ihre eigene Identit\u00e4t zuzubilligen. In welcher Verkleidung sie auch immer daherkommen m\u00f6ge.\u00a0 \u00a0&#8230;&#8230;<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">DAS OBJEKT<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Die Objektbesessenheit der Surrealisten zeigt sich in vielen Bildexperimenten und in ihrer Vorliebe f\u00fcr den Fetisch. In diesem verdichtet sich die Idee des pars-pro-toto und gerade die Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewunderte archaische Kulturen f\u00fcr ein ungebrochenes Geheimnis, das sie aus solchen Objekten ziehen. Auch in der psychologischen Sexualtheorie eines Sigmund Freud finden wir viele Ausf\u00fchrungen zu diesem Thema. Schon sind wir mittendrin in einer Reise ins Unbewusste.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Die Verzerrung eines Objektes zum Lustobjekt \u2013 das kann man kunsthistorisch schon im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert verfolgen. Die Serie \u201eDer Handschuh\u201c von Max Klinger macht es vor, wie aus einem harmlosen Accessoire pl\u00f6tzlich eine zutiefst erotische Angelegenheit werden kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Brigitte Dunkel verwendet in ihren Arbeiten eine besondere Material\u00e4sthetik, die sich \u00fcber Assoziationen in tiefere Schichten der Wahrnehmung eingr\u00e4bt. Die Aura, die sich \u00fcber verschiedene Gegenst\u00e4nde wie Schuhe oder einen mond\u00e4nen Luggage Cart ergibt, ist ein starkes Narrativ.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Aber auch Orte k\u00f6nnen mit dieser Aura aufgeladen werden. Und so hat ein ganz spezielles Haus eine besondere Rolle in diesem Setting. Das Sowden House, welches Frank Lloyd Wright (der Sohn!!) in den zwanziger Jahren erbaute. Hier soll \u2013 verschiedenen Theorien zufolge \u2013 der Mord an E.S. begangen worden sein. Ein Haus, auf das man nur einen kurzen Blick werfen muss (und das ein \u00e4u\u00dferst erfolgreicher Instagram-Hotspot ist), um die Abgr\u00fcnde zu erkennen, in die sich alles andere ergie\u00dfen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">DAS SUBLIME<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Weibliche Existenzen und deren M\u00f6glichkeiten, das Oszillieren zwischen Offenlegung und Verh\u00fcllung, die haptischen Erfahrungen des menschlichen Leibs \u2013 all das sind Aspekte der Arbeit von Brigitte Dunkel. Sie spielt dabei mit dem Begriff der \u00c4sthetik und deren Wahrnehmung. Das Interessante ist der Weg hinein ins Bewusstsein. Immer wieder treffen wir dabei auf Ankl\u00e4nge aus Subkulturen wie der Sado-Maso- oder Burlesque-Szene. Beides R\u00e4ume, in denen das Spiel von Macht, Lust und Selbstgewissheit eine zentrale Rolle spielt.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Wenn wir die Arbeiten von Brigitte Dunkel betrachten, dann geht es um einen erweiterten Sch\u00f6nheitsbegriff, der sich weniger mit einem spezifischen Idealismus erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Es ist eine bestimmte Form der Sinnlichkeit und der sensuellen Wahrnehmung von Materialien wie Haut und Stoff. Das Sublime \u2013 eine Bezeichnung, die das Erhabene meint, also jenen Zustand zwischen Staunen, einer gewissen Ehrfurcht, aber auch einem kurzen k\u00f6stlichen Schauer \u2013 das Sublime schwebt \u00fcber der Kunst. Und in dieser Ausstellung l\u00e4sst es sich an vielen Stellen ersp\u00fcren.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">Anke von Heyl, <\/span><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica, arial, sans-serif;\">September 2, 2020<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"text-align: left; color: #333333; text-transform: none; text-indent: 0px; letter-spacing: normal; font-family: helvetica, arial, sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; text-decoration: none; word-spacing: 0px; white-space: normal; cursor: text; orphans: 2; float: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; background-color: transparent; display: inline !important;\">HARALD UHR m.a.<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Exhibition introduction on the occasion of the opening\u00a0<\/span><\/span><\/i><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\"> <a href=\"https:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/make-up-your-mind_2015_exhibition\/\">MAKE UP your mind, 2015 <span style=\"font-size: 8pt;\">LINK<\/span><\/a><\/span><\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">\u2026&#8230;<\/span><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif;\"> Auf den ersten Blick wirkt das Ausstellungsambiente wie aus einem Guss. Alles, was wir hier zu sehen bekommen erscheint aufeinander abgestimmt, obwohl wir es, wie der Pressetext besagt, mit einer Werkauswahl des langfristig verfolgten Projekts <strong>\u201ePOWDER ROOM\u201c<\/strong>, realisiert in unterschiedlichen medialen Umsetzungen als<em> Digitaldruck \u2013 dreidimensionales Objekt, Malerei \u2013 Collage \u2013 Textilarbeit \u2013 Video<\/em> zu tun haben. Und ein genauerer Blick auf die Exponatenliste gibt dar\u00fcber Aufschluss, dass wir zwar \u00fcberwiegend neuere und neueste Arbeiten der K\u00fcnstlerin zu sehen bekommen, durchaus aber auch deutlich \u00e4ltere Werke in das homogen erscheinende Ganze integriert sind. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Bei l\u00e4ngerem Verweilen hier in den beiden hergerichteten R\u00e4umen beschleicht uns vielleicht sogar die Vermutung, dass die Ausstellung es nicht beim Herzeigen oder Inszenieren diverser Objekte, Bilder und Filme bel\u00e4sst, sondern einen weit dar\u00fcber hinaus ausgreifenden Anspruch erhebt. Die Exponate sind sicherlich ein Teil der Ausstellung, mit Sicherheit auch ein sehr gewichtiger Teil.<em> Aber doch eben nur ein Teil.<\/em> Auf den gedruckten Einladungskarten finden Sie ein umfangreiches sogenanntes \u201eRahmenprogramm\u201c zur Ausstellung aufgelistet: von einem K\u00fcnstlergespr\u00e4ch, einer Lesung, einem DJ-Set ist dort die Rede. Performative Auftritte werden genannt. Auch die Tatsache, dass ich hier vor Ihnen stehe und zu Ihnen spreche, darf getrost als Teil der Ausstellung betrachtet werden, ist es doch heutigen Tags, eher ungew\u00f6hnlich, dass im Rahmen einer Galerieausstellung eine einf\u00fchrende Rede gehalten wird. Das Rahmenprogramm ist demnach vielleicht nicht blo\u00df rahmende Zutat, sondern elementarer Bestandteil der Szenerie, ja komplettiert diese eigentlich erst. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Wenn wir den Radius sogar noch etwas weiter spannen, werden Sie ganz richtig vermuten, dass auch Sie hier als Besucher und Besucherin, als Betrachtende und Zuh\u00f6rende zu einem gewichtigen Teil des Ausstellungsarrangements zu rechnen sind. <em>Nicht als Konsumenten werden Sie hier angesprochen, sondern als unverzichtbare Adressaten des Ganzen<\/em>. <strong>\u201eMAKE UP your mind\u201c<\/strong> \u2013schon der Titel der Ausstellung enth\u00e4lt schlie\u00dflich einen <strong>Appell.<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Ins Blickfeld ger\u00e4t dabei der kontingente und schwer zu erfassende Bereich der Wirkungen und Effekte, die Kunst situativ, d.h. bezogen auf einen r\u00e4umlichen und diskursiven Kontext, sowie relational, d.h. in Bezug auf ihre Betrachter hervorbringt. Dunkel folgt dabei einer seit l\u00e4ngerem vorherrschenden Tendenz zur <em>Entgrenzung und Hybridisierung<\/em> der Medien, die Psychologisierung der \u00e4sthetischen Wahrnehmungserfahrung, <em>das im Werk selbst reflektierte und offensiv inszenierte Verh\u00e4ltnis von Werk und Betrachter<\/em>. Keine pers\u00f6nliche Handschrift dr\u00e4ngt sich auf. Nicht der Gestus oder der Stil gew\u00e4hrleistet die Zuordnung, sondern die virtuose Auswahl der Motive und deren Einbindung in einen bildnerischen Kosmos.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Sorgf\u00e4ltig arrangierte Objekte werden erg\u00e4nzt durch begleitende Texte und B\u00fccher. Aufgerufen werden diverse zeitgem\u00e4\u00dfe Tropen \u2013 performative Objekte, die Erotik der Verf\u00fchrung, das Archiv, ein Neuer Materialismus vielleicht, Information als Ornament oder instabile Subjektivit\u00e4t. Die Installation l\u00e4sst durchscheinen, dass ihr eine Untersuchung vorangegangen ist, es bleibt jedoch dem Betrachter \u00fcberlassen, die F\u00e4den miteinander zu verbinden.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Der Spiegel fungiert bei Dunkel dabei als ein drittes oder viertes Auge, das den Blick \u00f6ffnet, ihn multipliziert und immer wieder neue Brechungen hervorbringt. Ihre Ausstellung kann gleichsam als <strong>Diskursraum<\/strong> wahrgenommen werden. Die Arbeiten zeichnen einen Weg nach, der von Skepsis, R\u00fcckbesinnung und steter Suche erz\u00e4hlen. Der sogenannten Wahrheit der Fotografie etwa setzt Brigitte Dunkel die visuellen Versatzst\u00fccke des Unbewussten entgegen. Eine neue, bedingungslos selbstbezogene Wirklichkeit entsteht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Wir sto\u00dfen in diesem Parcours auf visuelle Gesten aus massenkulturellen, subkulturellen und k\u00fcnstlerischen Best\u00e4nden, die recht pr\u00e4zise sein k\u00f6nnen und vor allem massiv den Verlust anderer Situierungen kompensieren. <em>Es handelt sich um k\u00fcnstlerische Bem\u00fchungen zwischen politischer Deutlichkeit und einem narzisstischen Wunsch nach einer ebenso sch\u00f6nen wie richtigen Position.<\/em> Schlie\u00dflich ist die Lust am Sch\u00f6nen nichts anderes als die Lust an uns selbst. Dieses Projekt hat den Vorteil, dass die Verst\u00e4ndigungsvorg\u00e4nge hier\u00fcber \u00fcberhaupt initiiert werden k\u00f6nnen. Die Suche nach Gegenmodellen. Das augen-scheinliche Interesse am Surrealismus etwa folgt dabei der Logik der Beobachtung, dass dieser sich nicht daf\u00fcr interessiere, den Verstand zu verlieren, <strong>sondern f\u00fcr das, was der Verstand verloren habe.<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Bei ihrer Suche nach Grenzerfahrungen, ihren Aktionen an der Schwelle zum Unbekannten, dem Ausloten der Schnittstellen von Kunst und Gef\u00fchl, Freiheit und Angst, Sch\u00f6nheit und Schmerz, l\u00e4sst Dunkel sich von der Einsicht leiten, dass uns unsere innere Natur nie als solche transparent ist. Vielmehr erscheint sie uns zug\u00e4nglich nur im Modus des Ereignisses. Daher kennzeichnet die k\u00fcnstlerische Welterfahrung von Brigitte Dunkel stets das Einbeziehen von Handlungen und Aktionen. Aus einer vorbehaltlos kreativen Wahrnehmung erscheint der charmant wie akribisch erzeugte Kreislauf des Lebens in all seinen ereignishaften Segmenten als ein unabl\u00e4ssiger Prozess, in dem lustvolle Heiterkeit und elementares Wissen von der existenziellen Vielfalt der Welt miteinander verschmelzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Mit ihren performativen und filmischen Raumbesetzungen n\u00e4hert sich die K\u00fcnstlerin dabei vornehmlich dem eigentlich relevanten Raum an, <em>dem Beziehungs- und Resonanzraum zwischen den Menschen.<\/em> Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr als plausibel, dass die Besch\u00e4ftigung mit den <strong>Zwischenr\u00e4umen<\/strong> im Fokus von Dunkels k\u00fcnstlerischen Grundlagenforschung steht. Befragt wird etwa das Niemandsland zwischen Innen und Au\u00dfen, zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Raum, zwischen gesellschaftlicher Relevanz und individuellem Standpunkt. <em>Die Kunst operiert in den Verh\u00e4ltnissen, in die sie eingelassen ist<\/em>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Nicht mehr das abgehoben teilnahmslose und ironische Spiel mit Zitaten aus dem Zettelkasten abgelegter und verbrauchter Welterkl\u00e4rungsmodelle steht auf der Agenda. Vielmehr eine Neubefragung \u00fcberkommener und wieder zu entdeckender Bilder und Handlungsoptionen, die mit dem eigenen <strong>K\u00f6rperempfinden<\/strong> im gesellschaftlichen Raum des Hier und Jetzt abgeglichen werden. Als Gradmesser dient eine Dringlichkeit des Anliegens, neue Akte der Selbstbestimmung, neue Justierungen der Gestaltungsm\u00f6glichkeiten eigener Lebensentw\u00fcrfe anzusto\u00dfen. Hinter der Anschmiegung an Vorhandenes und Bekanntes setzt daher auch bei Brigitte Dunkel eine pr\u00e4zise Bildformung ein, deren Spiel mit der Wirklichkeit weder einfache Wiederholung noch eindeutiger Kommentar ist. Vielmehr gilt es, Irritationen und St\u00f6rungen f\u00fcr das \u00dcberleben produktiv nutzbar zu machen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Jenseits von Diskursivit\u00e4t und Regelsystemen und jenseits blo\u00df intellektueller Intuition entwirft Dunkel ein Zeichen- und Begriffssystem, das aus der Innovation einer abschweifenden und spekulativen Sprache lebt.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">In ihrer distanzierten Kargheit operieren die Bilder und Objekte mit einer poetischen Verdichtung und weisen die K\u00fcnstlerin als Seismographin f\u00fcr jenen zeitgem\u00e4\u00dfen Bewusstseinszustand aus, der sich dem R\u00e4tsel verschrieben hat, um \u00fcber die Magie der Niederschrift das Verborgene und Vergessene wie ein Orakel zum Sprechen zu bringen. Die Erregung vor dem Unfassbaren wie die Anspannung selbst scheinen in den fragilen Gebilden gespeichert. Ein Wille zur Gestaltung jenseits medialer Logik durch das Abenteuer des immer neuen formalen Handelns schreibt sich in die Bildwerke und ihrem Arrangement ein. In dieser direkt energieschaffenden Grundhaltung ist bei Brigitte Dunkel ein instinktiver Drang zur Anh\u00e4ufung, zu einer \u00dcberf\u00fclle von in den Raum ausstrahlenden Zeichen zu erkennen, der dem Ort der konkreten Erfahrung den vitalistischen Ansatz ihrer Gestik aufpr\u00e4gt und ihre Objekte mit starker Emotionalit\u00e4t befrachtet.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Brigitte Dunkel schafft in ihren Installationen r\u00e4tselhafte Beziehungen zwischen Objekten und Formen, die in einem Schwebezustand <\/span><\/strong><strong><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">zwischen der Repr\u00e4sentation einer subjektiven und facettenreichen Realit\u00e4t und einer k\u00fcnstlerisch poetischen Abstraktion verharren. So werden Spannungsmomente erzeugt, die zun\u00e4chst verst\u00f6ren und beunruhigen und mehr Fragen aufwerfen, als Antworten liefern.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Das Ausstellungsdisplay entwickelt sich nicht linear, sondern in verzweigten und untereinander vernetzten Episoden, es w\u00e4chst in Zeit und Raum und folgt somit keiner klaren Chronologie. Dunkel begreift die Welt, die menschlichen Beziehungen als<em> &#8222;Ensembles\u201c,<\/em> als ver\u00e4nderliche Konstellationen von Wahrnehmung und Reflexion, von Normen, Geschichten, Emotionen und Theorien. Auf den ersten Blick handelt es sich um r\u00e4tselhafte Gebilde mit unklarer Formenstruktur. Auf den zweiten Blick erkennt &#8211; oder vorsichtiger formuliert, erahnt &#8211; man ein komplexes System von bildimmanenten Relationen auf verschiedenen Ebenen. So ist die Form der Ensembles zwar offen und mehrdeutig, doch nach einem bestimmten Ordnungs- und Verweissystem organisiert. Ihr <em>prozesshaftes Arbeiten, das Reproduzieren, Anbauen und Wiedereinbauen<\/em> bringt es mit sich, dass die Komplexit\u00e4t ihrer Arbeiten kein fester, einmal erreichter Zustand ist, sondern sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndert. Auf spielerisch-kreative Weise erkundet Brigitte Dunkel somit die poetischen Freir\u00e4ume unserer durch technische Medien normierten Bildwelten, ohne dass diese sich in jedem Einzelfall einer \u201aPlausibilit\u00e4tskontrolle\u2019 durch den Betrachter unterziehen lassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Es geht um Be- und Entgrenzung, der Grenze zwischen Innen- und Au\u00dfenwelt, um die Notwendigkeit einer Grenzziehung, um die Entgrenzung traditioneller Zeichensetzung. Die Arbeiten werden nicht verstanden als Technik, die lediglich einen Gedanken abbilden, sondern als unterschiedliche Wege, die simultan <em>einen Raum f\u00fcr Gedanken \u00f6ffnen<\/em>, das Erlebnis von Bildersprache als ein Raum des Versprechens, als Botschaft, als Verhei\u00dfung von Bedeutung vermitteln.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Mit ihrer Aufwertung des Daseins wirbt Dunkel f\u00fcr eine intensivierte visuelle Wahrnehmung der Welt, um damit die Grenzen der menschlichen Bedingtheit weiter hinauszuschieben und den Raum der menschlichen Freiheit zu erweitern.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">Harald Uhr, October 29, 2015<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.brigittedunkel.de\/wpbrig\/text\/\"><span style=\"font-family: helvetica, arial, sans-serif;\"><em><strong><span style=\"font-size: 10pt;\">Back to top<\/span><\/strong><\/em><\/span><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">\u00a9 BD \/ VG Bild-Kunst, Bonn \/ 2006-2026<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 10pt;\">All Rights Reserved<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &lt; ABOUT SUSANNE WEDEWER-PAMPUS m.a. Text on the exhibition project \u00a0TABLESCAPES 2023 LINK\u00a0\u00a0 &nbsp; Vexiere &#8211; und dieser Einstieg in die Arbeiten von Brigitte Dunkel mag zun\u00e4chst irritieren &#8211; sind Geduldspiele, die funktionieren, die aufgehen nur dann, wenn wir unerwartete L\u00f6sungen zulassen, neue \u2013 \u00e4u\u00dfere \u2013 Erscheinungsformen zu denken bereit sind. 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